Mythen, Lügen und Halbwahrheiten
über die Vorhautbeschneidung

von Geoffrey Francis

Ist Ihnen vielleicht schon einmal aufgefallen, wie aggressiv einige wenige, aber sehr lautstarke, Mitglieder von diversen Anti-Gruppen gegen die Beschneidung wettern? Erfundene Ammenmärchen werden verbreitet - unsinnige Behauptungen aufgestellt. Erfahrene Ärzte und Mediziner können dies gar nicht nachvollziehen.
nocirc.de möchte über die bekanntesten Mythen, Lügen und Halbwahrheiten aufklären. Die nachfolgenden Informationen von Geoffrey Francis von der Gilgal Society, London wurden aus dem englischsprachigen Original übersetzt und auf nocirc.de veröffentlicht.

Liste der Kapitel:

Vorhaut - Struktur und Entwicklung
Verluste
Rechte der Eltern und Kinder
Alternativen zur Beschneidung
Juden und Beschneidung
Ärzte und Beschneidung
Andere Behauptungen

Vorhaut - Struktur und Entwicklung

Bis zum Einsetzen der Pubertät löst sich die Vorhaut nicht vollständig von der Eichel ab.
Wie von Dr. Gairdner in seinem 1940 erschienenen Antibeschneidungsartikel erwähnt, haftet die Vorhaut bei Geburt noch immer an der Eichel, ist aber mit dem Erreichen von ungefähr 3, maximal 5 Altersjahren normalerweise uneingeschränkt beweglich. Einige wenige Jungen haben noch immer Verklebungen bis zur Pubertät, doch sind diese ein Hinweis auf eine anomale Entwicklung des Penis. Sie erfordern eine Ablösung frühzeitig genug bevor der Junge in die Pubertät kommt, um einen normalen Übergang in die Pubertät mit einer voll zurückziehbaren Vorhaut sowie gebotene Sauberkeit und sexuelle Entwicklung zu ermöglichen.

Eltern sollten nicht versuchen, die Vorhaut ihres Sohnes zurückzuziehen.
Jungen sollte man beibringen, sich auch unter der Vorhaut zu waschen, da sie dieses nicht von allein verstehen. Daher kann dies nur geschehen, wenn die Eltern die Vorhaut so sanft wie möglich zurückziehen und jedes Mal zur Badezeit darunter waschen. Es stimmt, dass dabei keine Kraft angewendet werden soll, um nicht die dünne Hautschicht der Vorhaut einzureißen, doch schließt dies nicht ein sanftes Zurückziehen aus.

Es ist empfehlenswert, dass die Eltern früh mit diesem Zurückziehen beginnen, allerdings sollten sie warten, bis der Junge mindestens ein Jahr alt ist. Als Alternative hierzu empfiehlt es sich, dass die Eltern anfangs die Vorhaut sanft vorschieben um so Verklebungen vorzubeugen.

Eine Phimose kann bei einem Kleinkind nicht diagnostiziert werden.
Eine Phimose besteht, wenn die Öffnung am äußersten Ende der Vorhaut zu klein ist. Bei Säuglingen ist sie zu klein, wenn der Urin nicht frei durchlaufen kann. Jede Ballonbildung während des Urinierens ist ein Hinweis darauf, dass die Öffnung zu klein für die Entleerung ist. Ist dies der Fall, bildet sich ein Rückstau durch den eingeschlossenen Urin. Dies ist für das Kind nicht nur schmerzhaft, sondern setzt die junge Blase einer Beanspruchung aus, die manchmal zurück bis zu den Nieren geht. Wenn dieser Zustand schwerwiegend ist, kann dies zu ernsthaften Nierenschäden mit folgenschweren Konsequenzen für den Jungen im späteren Leben führen. Bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen kann die Vorhaut zu eng sein, um über den Eichelkranz (am unteren Ende der Eichel) ausgedehnt zu werden, und deswegen kann die Vorhaut auch nicht zurückgezogen werden, obwohl keine Verklebungen mehr bestehen. Dies beeinträchtigt eine einwandfreie Hygiene, erschwert auch das Geschlechtsleben und macht es möglicherweise auch sehr schmerzhaft.

Die Vorhaut dient als eine Art "Kugellager" während des Sex.
Bei den meisten Männern zieht sich sich die Vorhaut während einer Erektion hinter die Eichel zurück und spielt keine Rolle während des Eindringens, gegenteilig zu der geäußerten Behauptung in dieser Lüge. Ist die volle Penetration erreicht, hängt die Rolle der Vorhaut von ihrer ursprünglichen Länge ab und davon, wie frei beweglich sie ist. Falls die Vorhaut sich nicht während oder vor dem Eindringen zurückzieht, neigt sie dazu, an den Scheidenwänden zu kleben und der Mann masturbiert sich somit eigentlich selbst in seiner Vorhaut, während er keine Stimulation und somit kein sexuelles Vergnügen an seinen Partner weitergibt. Heutzutage, in Zeiten des ständigen Kondom-Gebrauchs, ist all dies irrelevant, weil die zurückgezogene Vorhaut von dem Kondom auf ihrem Platz gehalten wird und so keine Rolle beim Verkehr spielt. Viele unbeschnittene Männer haben festgestellt, dass die Vorhaut das Tragen von Kondomen wesentlich erschwert, weil die Vorhaut dazu neigt, sich aufzubauschen und zu stören, oder das Kondom vom Penis zu schieben.

Smegma ist das natürliche Gleitmittel der Vorhaut.
Natürliche Öle werden von den Tyson Drüsen unter dem Rand der Vorhaut und von der inneren Oberfläche der Vorhaut abgesondert. Dies ist notwendig, um die Vorhaut davor zu bewahren, an der Eichel zu kleben und um zu gewährleisten, daß sie sich ohne Probleme zurückziehen lässt. Die Öle werden jeder Zeit produziert und reproduzieren sich deshalb sehr schnell nach dem Waschen. Smegma besteht aus dem restlichen Öl, toten Hautzellen, veraltetem Urin und Sperma und anderweitigem Schmutz, der sich unter der Vorhaut gesammelt hat. Smegma ist ein "Abfallprodukt" und dient keinem nutzvollem Zweck. Wenn es nicht regelmäßig weggewaschen wird, wird es hart und beginnt zu stinken. Es ist ebenso ein Nährboden für Bakterien, die zur Vorhautentzündung (Balanitis) beitragen können. Smegma ist außerdem verwickelt in die Entstehung von Peniskrebs.

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Verluste

Durch Beschneidung wird die Hälfte der Penishaut entfernt.
Die Menge der entfernten Haut variiert zwischen gerade etwas mehr als die eingeengte Vorhautspitze bis zu einem Anteil, der etwas länger als die Eichel ist. Die Eichel ist selten länger als ein Viertel der Gesamtlänge des Penis. Diese Lüge stammt von einer doppelten Addition der Länge der Vorhaut, "da diese aus einem inneren und äußeren Vorhautblatt" besteht. Diese Tatasche ist jedenfalls belanglos, weil Bedeckung ja nur einmal gegeben ist.

Durch die Beschneidung werden Hunderte von Meilen an Blutgefäßen entfernt.
"Hunderte von Meilen" ist eine grobe Übertreibung, welche von den meisten Leuten leicht durchschaut wird. Aber dennoch: die Blutgefäße in der Vorhaut dienen nur der Vorhaut selbst und daher ist ihre Entfernung zusammen mit der Vorhaut ohne weiteren Belang.

Die Vorhaut besitzt spezialisierte Nervenenden.
Alle Nerven sind spezialisiert. Es gibt nichts mehr oder weniger Spezielles der Vorhautnerven im Vergleich zu jenen an anderen Körperstellen. In der Eichel selbst sind außerdem Nerven, die bei Sex mit Vorhaut gar nicht erst stimuliert werden.

Durch die Beschneidung werden 20000 Nervenenden entfernt.
Das ist eine glatte Lüge. Ein Anti-Beschneidungs-Aktivist gab zu, diese Zahl erfunden zu haben um vorzugeben, dass Beschneidungen unweigerlich großen, ernsthaften Schaden mit sich bringen. Es gibt keinen wissenschaftlichen Beleg, dass es überhaupt diese große Anzahl von Nervenenden im ganzen Penis gibt. Wie hoch auch immer diese Zahl sein mag, die Nerven in der Vorhaut sind wie fast alle Nerven in der Haut ausschließlich dazu bestimmt, die Vorhaut selbst vor Verletzungen zu schützen. Wenn die Vorhaut entfernt wird, werden diese Nerven irrelevant.

Beschneidung entfernt Taylor's gefurchtes Band.
Taylor "entdeckte" dieses "gefurchte Band" an der Spitze der Vorhaut durch das Studium von weniger als einem Dutzend Leichen. Damit handelte sich keineswegs um eine wissenschaftliche Untersuchung. Auf der Grundlage dieser wenigen Beobachtungen postulierte er, dass es dort ein Gewebeband mit einem erotischen Zweck an der Spitze der Vorhaut gebe. Er zieht dabei nicht in Betracht, dass diese Männer, wie so viele unbeschnittene Männer, unter einer Phimose gelitten haben könnten oder dass die Totenstarre bereits eingetreten ist und diese selbst eine Erklärung hierfür gibt. In der Praxis ist dieser kleine Muskelring nur dazu da, die Spitze geschlossen zu halten um damit das Eindringen von Schmutz zu verhindern.

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Rechte der Eltern und Kinder

Die Beschneidung verstößt gegen die Menschenrechtskonvention der Vereinigten Nationen.
Der Artikel V der Menschenrechtskonvention der vereinten Nationen besagt, dass "Niemand einer Folter oder grausamer, unmenschlicher oder abwertender Behandlung oder Strafe unterzogen werden darf." Er sagt nichts aus über die Beschneidung von Säuglingen oder wenn sie von Jugendlichen oder Erwachsenen gewählt wird. Dieser Artikel zielt klar und deutlich auf die Behandlung von Gefangenen und Verdächtigen seitens der Vollstreckungsbehörden ab. Sein einzig möglicher Bezug auf die Beschneidung würde darin bestehen, wenn Gefangene mit Gewalt beschnitten würden - eine Praktik, über die seit mehr als einem Jahrhundert von keinem Teil der Erde mehr berichtet wurde.

Eine Beschneidung, wenn sie bewiesenermaßen wegen vorbeugender Maßnahmen durchgeführt wird, wird niemals einem Verstoß gegen die Menschenrechtskonvention gleichkommen, insbesondere nicht, wenn sie von qualifizierten Personen und im Auftrag des Patienten oder seines Vormunds ausgeführt werden.

Eltern haben kein Recht, ihren Söhnen eine Beschneidung aufzuerlegen.
Zahlreiche Forschungsprojekte haben ergeben, dass es einen kleinen prophylaktischen (d.h. vorbeugenden) Nutzeffekt durch die Säuglingsbeschneidung gibt, der nicht entsteht, wenn die Beschneidung erst nach der Pubertät vorgenommen wird. Darüber hinaus ist es in verschiedenen Kulturen die gesellschaftliche oder religiöse Norm, dass Knaben beschnitten werden. Wenn ein Junge nicht als Säugling beschnitten wird, entgehen ihm diese Vorteile. Es ist vernünftig, wenn sich Eltern über Vorteile und Risiken (sehr geringes Narkoserisiko) informieren, bevor sie entscheiden. Ein Säugling kann nicht selbst entscheiden, beschnitten zu werden (wie er auch keine eigenen Entscheidungen über Immunisierung, religiöse Erziehung, Wahl der Ausbildung usw. treffen kann). Eltern haben das Recht und die Pflicht zum Wohle des Kindes die Entscheidungen zu treffen, für die das Kind noch zu jung ist. Damit ist es Sache der Eltern abhängig von dem, was sie als Nutzen und Nachteil für ihr Kind einstufen, Entscheidungen zu treffen. Eltern sollten für ihr Kind stets das beste wollen, oder?
Sie treffen täglich viele weitreichendere Entscheidungen für ihre Kinder, warum also nicht auch diese?

Der Junge sollte selbst über eine Beschneidung entscheiden, wenn er älter ist.
Zahlreiche Forschungsprojekte haben ergeben, dass es einen kleinen prophylaktischen (d.h. vorbeugenden) Nutzeffekt durch die Säuglingsbeschneidung gibt, der nicht entsteht, wenn die Beschneidung erst nach der Pubertät vorgenommen wird. Darüber hinaus ist es in verschiedenen Kulturen die gesellschaftliche oder religiöse Norm, dass Knaben beschnitten werden. Wenn ein Junge nicht als Säugling beschnitten wird, entgehen ihm diese Vorteile. Es ist vernünftig, wenn sich Eltern über Vorteile und Risiken (sehr geringes Narkoserisiko) informieren, bevor sie entscheiden.

Die Beschneidung ist für einen Säugling äußert traumatisch.
Es gibt wenige Beweise, dass die Beschneidung selbst mehr als leichten Stress für das durchschnittliche Baby mit sich bringt. Wenn sie ausgezogen werden oder ungewohnten Reizen ausgesetzt sind, schreien alle Babys. Dagegen schlafen viele Babys ganz friedlich durch ihre Beschneidung, während andere zufrieden einschlafen, sobald danach wieder bequem angezogen sind. Man sollte eine Vollnarkose bei Säuglingen vermeiden, doch kann etwas Lokalanästhesie für eine dorsale Nevernblockierung verwendet werden. Viele Ärzte (und alle jüdischen Mohels) ziehen es vor, die mit sämtlichen Betäubungsmitteln verbundenen geringen Risiken zu vermeiden. Dagegen haben ein wenig Wein oder ein in Zuckerwasser getauchter Schnuller exzellente Resultate ergeben. Das Nervensystem eines Babys ist noch nicht so hoch entwickelt wie bei einem älteren Kind, noch ist es das Gedächtnis. Ein Baby kann irgendeinen von seiner Beschneidung herrührenden Schmerz nicht lokalisieren; es hat kein Empfinden dafür, dass sein Penis in irgendeiner Art und Weise von einem anderen Teil seines Körpers unterschiedlich ist und erinnert sich an nichts, was seine Beschneidung betrifft (wohingegen ein älteres Kind - sagen wir im Alter von 2 Jahren - jeden Schmerz lokalisiert und sich daran erinnert).

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Mythen, Lügen und Halbwahrheiten über die Vorhautbeschneidung (Teil 2)